Next Generation Online Marketing.
Erkenntnisgewinn oder Selbstbeweihräucherung?
Ein Kommentar von Karin van Soest-Schückhaus und Annette Bouteiller
Was treibt Marketer und PR-Verantwortliche für einen Tag lang aus dem Büro?
Zwei Stichworte, natürlich. Online. Und noch einmal Online.
Social Media, Web 2.0, Digital Marketing – die Instrumente des Online Marketings sind in aller Munde, der Druck auf die für diese Themen Verantwortlichen in den Unternehmen steigt von Tag zu Tag an. Wehe dem, der noch nicht twittert und facebookt, der noch keinen eigenen BLOG besitzt und der nicht die Clickraten seiner Website im Stundentakt auf dem Schreibtisch liegen hat. Grund genug also, für das geneigte Fachpublikum, eine Konferenz zu diesem Thema zu besuchen.
Ein Erfahrungsbericht.
Die Erwartungshaltung zahlreicher Teilnehmer ist geprägt von Offenheit und Neugierde, und wird bereits nach dem ersten Vortrag mehr, als nur enttäuscht. Inmitten zahlreicher Buzzwords, vieler bunter Bilder und temporeicher Präsentationen, suchen wir nach dem Mehrwert, dem Erkenntnisgewinn, ja, nach dem Aha-Effekt, den wir voller Tatendrang später dann zu unseren Kunden transportieren wollen. Und können ihn einfach nicht finden. Wir fühlen uns ein wenig erinnert, an den allseits bekannten, berühmt-berüchtigten Verkauf von Heizdecken und sind irritiert. Story Telling und Solution Selling auf einer kostenpflichtigen Tagung? Klassische „Wir-haben -die-Lösung“-Charts, kombiniert mit „Sprechen-Sie.-uns-an“-Folien. Mehrwert für uns und unsere Kunden? Gen Null.
Wer schreibt, der bleibt?
Dieser alten Redewendung und gar Handlungsanweisung sind bis dato nicht nur Helmut Schmidt, Thilo Sarazzin, Jimmy Hartweg und Nazan Eckes gefolgt. Auch Deutsche Marketer publizieren und halten dann vorzugsweise der eigenen Community die Stange. Aus dem guten alten Agenda-setting wird eine Art Experten-Seeting: Zum Branchenweisen avanciert, wer publiziert. Alte Erkenntnisse also, mit neuen Themen, und, in neuen Dimensionen.
Nur, dass wir an dieser Stelle nicht falsch verstanden werden. Wir haben nichts gegen Networking, gegen Visitenkarten, Flyer und Displays. Wir haben aber etwas gegen die Abwesenheit von Fachvorträgen. Und gegen gebührenpflichtige Verkaufsveranstaltungen.
Next Generation Online Marketing?
Wie immer im Marketing, gibt es eine Zeit lang einen Hype um gewisse Themen, einzelne Mediengattungen werden totgesagt und feiern ein Jahr später ihre Auferstehung. Zudem hält jede Disziplin für sich, die Allheilmittel sinkender Verkaufszahlen und wenig durchdachter Strategien, in ihren Händen. Das ist bekannt und macht auch keinen Halt vor dem Thema Onlinemarketing.
Wünschenswert aber für Unternehmer, Angestellte, Freiberufler und Werbungtreibende wäre jedoch ein Diskurs über Strategien, Tools und Methoden, der nicht von Vertrieblern geführt wird. Ein Diskurs, frei von Emotionen und Vorbehalten, immer mit dem Ziel, Erkenntnis zu gewinnen. Erkenntnis, die voranbringt. Sonst sitzen wir nämlich weiterhin auf dem Trockenen. So wie übrigens auch auf besagter Veranstaltung.


Hallo Karin, hallo Annette!
Vielen Dank für den interessanten Beitrag zum Thema „Verkaufsveranstaltung Online Marketing Ta-gung“.
Auch ich war auf zahlreichen Veranstaltungen zum Thema Onlinemarketing und musste diese Erfah-rung machen. Leider gibt es viele Spezialisten, die sich für solche halten.
Onlinemarketing ist heutzutage zu ein renommierten Marketing- und Vertriebskanal herangewachsen. Maßnahmen „von der Stange“ gibt es dabei nicht. Der, der „Wir-haben-die-Lösung“ propagiert, der lügt schlicht und ergreifend. Onlinemarketing-Maßnahmen müssen individuell auf den Kunden, die Produk-te und Dienstleistungen und auf die einzelnen Zielgruppen abgestimmt werden.
Viele Grüße
Bernd
Hallo Bernd,
genau so ist es – wenn man extra auf so eine Veranstaltung geht, dafür noch Geld bezahlt und am Ende doch nix mitnehmen kann an Ideen/Wissen, dann ist das echt frustrierend. Wenn nur einer mal sagen würde, wissen Sie, grundsätzlich kann man das so oder so machen, und wir können IHnen viele Beispiele zeigen, aber DIE eine Lösung muss für Ihr Unternehmen entwickelt werden, dann wäre man schon einen Schritt weiter. So kann man sowas in Zukunft nur meiden.. Viele Grüße,karin